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What Happiness Is

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Bild„Niemand wird erfahren, was Sie mir sagen“, beruhig  der Beamte des Ministeriums für Glück einen skeptischen Polizisten.
„Was brauchen Sie persönlich, um richtig glücklich zu sein?“, beginnt der Glück-Forscher seinen Katalog. „Ich gebe Ihnen Beispiele, was mich glücklich machen würde: Vielleicht ist das für Sie anders, aber ich wäre glücklich, wenn ich ein Flugzeug hätte. Oder wenn es keinen Streit, nur Frieden gäbe. Was brauchen Sie für Ihr Glück?“

Der Fragebogen sieht 249 Fragen vor, dazu Detailfragen. „In Summe dürften es an die 1.000 Fragen sein“, sagt der Glücksermittler. Fragen, die sich um Wünsche, um Sehnsüchte, um Infrastruktur, Spiritualität und Psychologie, knapp formuliert: um das Leben, das Privatleben der Menschen drehen.
Jede Befragung nimmt drei Stunden in Anspruch. 7.000 Fragebogen sind im Umlauf, werden mit zufällig ausgewählten EinwohnerInnen von Bhutan durchgearbeitet.
Ziel der Befragungen ist es, den Status Quo zu ermitteln: Wie ist es um das Glück der Bhutanerinnen und Bhutaner  bestellt? Schlagwort „Brutto-Nationalglück“.

WHAT HAPPINESS IS führt zum Himalaya, ins Königreich Bhutan, wo 700.000 Menschen auf einer Fläche leben, die so groß wie die Schweiz ist.
Das Land ist arm, Der größte Exportschlager Bhutans,  durch den es weltweite Aufmerksamkeit erlangt hat, ist das „vermutlich größte Sozialforschungsprojekt der Welt“, wie einer der Beamten sagt: das Konzept des Brutto-Nationalglücks.
Dafür werden im ganzen Land die Lebensverhältnisse und Stimmungslagen erforscht. Die Erkenntnisse dieser Befragung sollen die nächsten Entwicklungen des Landes bestimmen.

Was macht glücklich? „Elektrizität und ein Handymast“, erklärt eine Frau.
Es ist nicht lange her, dass Bhutan eines der ärmsten Länder der Welt war, eingeklemmt zwischen den beiden Riesen Indien und China und ängstlich darauf bedacht, ja keine fremden Einflüsse herein zu lassen.
Erst mit Ende des 20. Jahrhunderts kam Fernsehen ins Land und vor ein paar Jahren Mobiltelefonie und Internet. Hotelkonzerne und Fastfood-Ketten sind bis heute nicht zugelassen, für Plastik gibt es Importbeschränkungen. Mehr als die Hälfte des Landes steht unter Naturschutz. „Vielleicht ist es ein Glück für Bhutan, dass seine Modernisierung so spät eingesetzt hat“, überlegt das Voice Over zur soften, nachhaltigen Modernisierung des Landes.

Dem Konzept des Brutto-Nationalglücks liegt die Philosophie des Buddhismus zugrunde. Alle Säulen eines Daches – das Dach steht für das Leben – müssen gleich hoch sein. Sind sie es nicht, fällt alles in sich zusammen. Wohlbefinden und Glück wachsen auf einem feinen Geflecht aus materiellen und immateriellen Werten. Auf einem ausgewogenen Verhältnis von Arbeit und Freizeit.

Um das Brutto-Nationalglück zu ermitteln, hat man am Center for Bhutan Studies einen Fragebogen entwickelt. Das mag wie ein romantisches Staatsmärchen klingen, aber in Bhutan sind tatsächlich viele darum bemüht, die Entwicklung des Landes im Zeichen des Glücks zu betrachten.

WHAT HAPPINESS IS begleitet zwei von fünf Forschungs-Teams – angeführt von Tshoki und Karma – bei der Ermittlung des Glücks, eine Reise, die acht Monate dauert.

Haben Sie einen Computer? Kühlschrank? Staubsauger? Eine Waschmaschine? Ein Radio? – Gibt es in Ihrem Leben viel an Unterhaltung? Ist für ausreichend Naturschutz gesorgt?
Wie arbeitet die Verwaltung? Ist die Regierung gut oder nicht? Gibt es Korruption? Amtsmissbrauch? Darf man Dienstautos privat benutzen, Angestellte auch privat einsetzen?
Wie lange dauert es, ein Spital zu erreichen? („Es ist weit zu Fuß“, sagt eine Frau : „ungefähr eineinhalb Stunden.“)
Viele kleine Mosaiksteinchen zeigen später in ihrem Gesamtbild, wie es um das Brutto-Nationalglück bestellt ist.

Da wird von Ratten erzählt, die sich nicht verscheuchen lassen, und von Wildschweinen, die rudelweise über die Felder herfallen. Gibt es Nachbarschaftshilfe? Gibt es Streit im Dorf? Fürchtet man sich abends, überfallen zu werden, allein im Wald?

Antworten, die aufhorchen lassen. Als der Fragebogen wissen will, ob „Frauen daheim bleiben und die Hausarbeit machen sollen? Und Arbeiten außer Haus sollten von Männern gemacht werden?“, antwortet ein Befragter: „Wir haben jetzt Demokratie. Alle Menschen, Männer und Frauen, sind gleichberechtigt.“ Nur um gleich anzufügen, dass das aber nicht für den Besuch bestimmter Tempel zuträfe.

Mehr als  drei Stunden nehmen sich die befragten BhutanerInnen Zeit, damit die Regierung erfährt, was die Menschen wirklich bewegt. Stört. Wie ihr Leben funktioniert. Was sie denken. „Solange der Fisch ein wenig Wasser hat, krepiert er nicht“, resümiert eine Frau, die eben erzählt hat, wie es um die Geldproblematik bestellt ist.
WHAT HAPPINESS IS reist mit den Abgesandten des Center for Bhutan Studies quer durchs Land, beobachtet die Befragungen, bleibt aber dann noch etwas länger und  interessiert sich für Fußnoten: Der Dokumentarfilm fängt dabei nicht nur Impressionen von Bhutan und seinem Volk ein, sondern stellt Fragen, die der Fragebogen nicht kennt, und  erfährt so einzigartige, individuelle Geschichten vom Glück.

„Es geht um die Lebensumstände der Menschen“, erklärt ein Ermittler des Center of Bhutan Studies einer Frau, „nicht nur in materiellem Sinn, sondern um das Brutto-Nationalglück. Alle Maßnahmen des Staates sollen dem allgemeinen Wohlbefinden dienen. Wie lassen sich die Lebensbedingungen verbessern? Was kann man tun, um Probleme zu lösen? Was dient der Bequemlichkeit? Haben alle, was sie brauchen? Was kann der Staat tun, damit die Menschen glücklich, in Frieden und Wohlstand leben können? Sind die Menschen gut zueinander? Wir erforschen das und berichten der Regierung, wo Handlungsbedarf besteht. Wenn die Ergebnisse vorliegen, wird die Regierung ihre künftige Politik daran ausrichten.“

Am Ende ihrer mehrmonatigen Forschungsreise kehren die Teams in Begleitung der Filmcrew in die Hauptstadt Thimpu zuück. Statistisch gesehen bringt der Fragebogen klare Ergebnisse: 41% der BhutanerInnen bezeichnen sich als glücklich. Männer sind glücklicher als Frauen, Junge glücklicher als Alte und Menschen mit Bildung glücklicher als Ungebildete. Arbeitslose sind glücklicher als Arbeiter und Bauern. Singles glücklicher als Verheiratete. Besonders zufrieden sind die Menschen mit ihrer Gesundheit, der Natur, ihrer psychischen Verfassung und mit dem sozialen Leben.

Nun werden Vorschläge an die Politik erarbeitet mit dem Ziel, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen so zu verändern, dass das Wohlbefinden aller zunimmt. Andere Länder haben angekündigt, dem Beispiel Bhutans zu folgen und bei sich zu ermitteln, wie die Menschen sich fühlen.

Die Forschung geht weiter: Die Utopie einer besseren Gesellschaft soll ihre Chance bekommen.